Die Haut

Durchdringend meint man, wenn etwas nicht mehr zu verhindern ist, Wasser durch alle Ritzen dringt, schrille Töne von unserem Ohr nicht abzuhalten sind und all die Dinge die durch und durch gehen: So wie die Durchdringung des Samens in das Ei ein Menschenleben entstehen lässt.

Die Haut umhüllt, sie umfasst uns und die Erde. Sie schließt ein, schützt, verhüllt. Sie ist Leben spendende Membran, sie kann sich öffnen und schließen. Sie kann zum Netz werden, sich dehnen, frei lassen was Platz möchte, und auffangen was Halt braucht.

So wie die Erde ummantelt und vernetzt ist, so sind es auch wir. Vieles aus der Landschaft Haut ist schon bekannt, vieles Wichtige wird allzu selbstverständlich in Anspruch genommen und strapaziert.

Die Haut ist

unser schnellstes Organ, sie wächst in 28 Tagen neu von unten nach oben, sie kann die stärksten Säuren aufnehmen, die aggressivsten Stoffe einlagern, sie kann sogar den Vorhang zuziehen wenn zuviel Sonne scheint, den Feind verjagen, der sich durch die kleinsten Schlupflöcher durchmogeln will, sie kann überhaupt Freund und Feind unterscheiden, das heißt, sie hat ein Erkennungssystem, ein Immunsystem.

Sie produziert sich selber, hat eine eigene Organisation, mit Hormonen und Vitaminen.

Sie spricht viele Sprachen, die Sprache der Seele, der inneren Organe, der Emotionen, der Gedanken. Sie lässt durchscheinen was von innen kommt, die Farbe der Blutgefäße, wenn sie erweitert oder verengt sind, macht Schneeweißchen oder Rosenrot aus uns.

Sie hat eine eigene Sprache der Farbe, je nach Lebensraum dem wir abstammen. Mit tieferem Blick kann man sogar die Minerale, die Ursprache des Periodensystems, ablesen. (Daraus sind Behandlungsmethoden wie z.B. Schüßlersalze entstanden).

Sie lüftet und entsorgt uns. Läst uns ertastbar werden, wir spüren und fühlen.

Die Haut ist Translator, überträgt körperliches Fühlen ins Unbewusste, ins Gefühl, lässt uns die Eigenschaften der Dinge wahrnehmen, von abgrundtief Ekel- und Furcht erregend, bis zur höchsten Ekstase, kann alles empfinden was wir beschreiben können.

Alles muss durch das Tor der Haut. Alles geht durch das Tor der Haut. Eigentlich sind wir nur ein geknuddelter Sack, der einen Teil seines Gewebes nach innen und den anderen nach außen gewendet hat. Dazwischen ist Wässriges und Knochiges.

„Das ist zum aus der Haut fahren.“ Beschreibt die Geburt. Da sind wir buchstäblich aus der Haut gefahren, indem wir die Plazenta verlassen haben. Das war unsere erste Hülle aus der wir gewachsen sind. Wenn wir diesen Ausspruch tun, geben wir einer Situation den Hinweis, dass sie einmalig ist.

Aber etwas fährt ständig aus der Haut…

Was duldet die Haut bei sich, wo sie doch schon so viel selber kann?


zurück